Beitrag zum Schulportfolio 2008 - von Martin Dühning
Abstract:Die Phoenix
ist eine Schülerzeitung. Sie schreibt sowohl über schulinterne, aktuelle
als auch über allgemeine Themen. Außerdem versteht sie sich als Forum
für Schüler-, Lehrer oder Elternmeinungen. Sie verfolgt einen
mehrkanaligen Medienansatz: Über ihre eigene Webseite
www.kgt-schuelerzeitung.de ist sie im Internet vertreten, ein bis
zweimal im Schuljahr bringt sie eine große Druckausgabe heraus, daneben
ist sie über Wandzeitungen und Plakate im Schulalltag präsent und
unterstützt durch ihre Pressearbeit sowohl Schul-Homepage als auch
Jahrbuch.
Innerhalb und für die Schulgemeinschaft gibt es am KGT gleich drei
reguläre Arbeitsgemeinschaften, welche sich pressemäßig betätigen. Das
Webteam für die offizielle Schulhomepage, die Jahrbuch-AG und nicht
zuletzt die älteste von allen, die Schülerzeitung Phoenix (im Volksmund
„Presse-AG“ genannt).
Die Phoenix ist die älteste der drei AGs, sie wird im Jahr 2008
ganze 25 Jahre alt. Das bedeutet aber
nicht, dass sie inzwischen veraltet ist. Gleichwohl haben sich die
Aufgaben der Schülerzeitung in den
letzten 25 Jahren deutlich gewandelt. Die Phoenix hat am KGT heute
längst nicht mehr das
Informationsmonopol, schneller und billiger geht heute vieles über das
Internet. Vielen Schülern fällt
es nicht schwer, eine eigene Webseite aufzumachen. Dagegen ist es schon
schwieriger, auch Besucher
darauf zu locken. Qualität aber ist aufwendig – das KGT hat für seine
offizielle Webseite nicht umsonst
ein ganzes Webteam.
Systembedingt leidet das Internet allerdings an einigen Schwächen:
Internetdokumente sind jederzeit
veränderlich, daher immer vorläufig und vergänglich. Oft wird auf
Schnelligkeit größerer Wert gelegt
als auf Verlässlichkeit. Das Internet hat „Alzheimer“: Tagtäglich
verschwinden Seiten, bisweilen sogar
ganze Domains spurlos. Papier dagegen ist geduldig. Man kann es auch
Jahrzehnte später noch lesen,
selbst bei Stromausfall. Nicht nur deshalb hat das Internet Bücher nicht
verdrängen können und kann
auch Schulzeitungen nicht ersetzen. Jede Schulgemeinschaft ist nämlich
daran interessiert, zu erhalten,
was sie geleistet hat. Das ist eine Aufgabe von Schulzeitungen.
Erfolgreiche Schulen, an denen viel geleistet wird, gönnen sich sogar
ganz besonders prächtige Exemplare, die Jahrbücher. Auch wir haben eines.
Während die Schulwebseite die Schulgemeinschaft aktuell weltweit
präsentiert, fangen Jahrbücher besondere Auszüge des Schullebens ein und
konservieren sie in Prachtausführung für die Zukunft. Wozu brauchen wir
dann aber noch eine Schülerzeitung?
Öffentliche
Meinungsplattform
Auch Schülerzeitungen wollen aktuell sein und können als Archiv
dienen. Aber sie sind – anders als
Schulwebseite oder Jahrbuch – nicht im gleichen Maße Prestigeträger der
Institution. Sie haben in erster
Linie die Schülerschaft im Blick. Sie unterliegen daher auch nicht der
Prestige-Zensur, werden
allerdings auch nicht subventioniert. Wer wissen will, was mit
Lehrerhilfe an einer Schule für die
Öffentlichkeit produziert wird, der schaue sich die Webseite oder das
Jahrbuch einer Schule an. Wer
wissen will, wie selbstständig, mündig oder glücklich die Schüler in
einer Schule leben, der lese deren
Schülerzeitung. Auch Funkstille kann da sehr vielsagend sein!
Schulgemeinschaft, soll sie nicht nur Fassade sein, braucht Austausch
und offene Meinungsforen,
auch für Schüler, sollen sie sich ernst genommen und aufgehoben fühlen.
Das wird in Zukunft sogar
noch wichtiger, da sich mit der Bildungsreform auch das KGT in Richtung
Ganztagsschule wandeln
wird. Ein solches Forum kann und will die Phoenix sein, allerdings
bedeutet das auch, dass sich die
Phoenix vorrangig immer wieder neu an der aktuellen Schulgemeinschaft,
besonders der Schülerschaft
orientieren muss. Das betrifft Redaktion wie Leserschaft. Im
Gegensatz zu geschlossenen Medienplattformen ist eine Schülerzeitung wie
die Phoenix nämlich auf Öffentlichkeit hin konzipiert: Sie wendet sich
zwar in erster Linie an Schüler, steht allerdings auch Lehrern und
Eltern offen und unterscheidet sich damit fundamental von eher
konspirativ-exklusiven Einrichtungen wie z. B. dem Schüler-VZ des
Holtzbrinck-Verlages.
Lernfeld für
Eigenverantwortung
Die Offenheit und Freiheit einer Schülerzeitung schlägt sich auch
darin nieder, dass Kritik wie Gegen-
Kritik möglich sein muss und die Schülerzeitung nicht ein weiteres
Lehrerprojekt ist, sondern von den
Schülern selbst verwaltet wird – dass sie also in Sachen Planung und
Inhalt sowie auch wirtschaftlich
unabhängig zu Werke geht. Dies zeigt sich bei der Phoenix nicht nur
darin, dass die Schüler-
Redakteure ihre (Schüler-)Chefredaktion in regelmäßigen Abständen selbst
wählen, sondern auch ihren
Lehrer-Betreuer. Sowohl die Druckausgaben der Phoenix als auch die
Phoenix-Webseite finanzieren
sich komplett selbst durch Verkauf, Anzeigeneinnahmen und Spenden von
Phoenix-Freunden.
Finanzielle Unterstützung durch die Schule bezieht die Phoenix nur dann,
wenn sie explizit als Presse-
AG für die Schule tätig wird, z. B. bei den Wandzeitungen (Papier,
Fotoentwicklung).
Bei der Arbeit an einer großen Druckausgabe (72-96 Seiten, 300-400
Exemplare) lernen die Schüler
dadurch nicht nur das Verfassen und Gestalten von Texten, sondern
gewinnen auch Einblicke in
komplexe Produktionsabläufe und setzen sich mit Projektplanung,
Marketing, Logistik, Verkauf und
Lagerverwaltung auseinander. Bei Fehlschlägen oder negativem Feedback
trainieren sie darüber hinaus
ihre Frustrationstoleranz und Kritikfähigkeit. Kurz: Die Schüler machen
äußerst vielseitige
Erfahrungen und lernen Eigenverantwortung.
Journalistisches Texten und
Aufgaben des Betreuers
Eigenverantwortliches Handeln ist allerdings nur ein Punkt. Ebenso
wichtig für eine Schülerzeitung ist,
dass sie der Schulöffentlichkeit Informationen und Impulse gibt, die
nicht nur bloße Meinungen
wiedergeben, sondern auch einigermaßen objektiv, ausgewogen und
verlässlich sind. Hier setzt die
journalistische Schülerzeitungsarbeit an, denn nicht allen Jugendlichen
(und auch nicht allen
Erwachsenen) ist klar, dass es weder darum gehen kann, nur Lobreden zu
verfassen, noch darum,
einfach herumzukritisieren, sondern dass sich der Wert einer Nachricht
neben ihrer Aktualität gerade
auch daraus ergibt, dass sie zuverlässig recherchiert sowie verständlich
und ansprechend formuliert ist,
dass oft sogar moralische Gesichtspunkte eine noch wichtigere Rolle
spielen. Denn in ihrem kleinen
Rahmen übernimmt die Schülerzeitung ja auch die Funktion „politischer“
Meinungsbildung. In der
Praxis ergeben sich hier die Probleme eher seitens der Schüler – denn
bei einer Sache über den
eigenen Standpunkt hinauszublicken, sich in andere hineinzuversetzen
oder Folgen abzuwägen ist ein
lebenslänglicher Lernprozess, Jugendliche stehen hier oft noch am Anfang:
Für viele junge Schüler gilt
es schon als Leistung, überhaupt eine Meinung zu haben. Das reicht aber
natürlich noch nicht aus.
Hier kommt dann der Betreuer als Berater ins Spiel, möglichst
zurückhaltend und behutsam, nie als
„Chef“. Denn die Schüler müssen lernen, Meinungen zu entwickeln, den
eigenen Standpunkt und die
Information zu trennen, in Zweifels- oder Konfliktfällen mit den anderen
Schülerredakteuren darüber
zu diskutieren - redaktionelle Entscheidungen müssen immer von den
Schülern selbst kommen.
Geleitet und geplant werden die Redaktionssitzungen daher von den
Schülern. Das dauert oft länger,
führt aber zu intensiveren Erfahrungen und nachhaltigen Ergebnissen: Da
die Phoenix-Redakteure ihre
Zeitung mit großem Engagement, manchmal quasi mit ihrem „Herzblut“
verfassen, lässt sich bei vielen
Redakteuren, teilweise aber auch bei Stammlesern, ein hohes Maß an
Identifikation mit Schülerzeitung
und Schulgemeinschaft feststellen, eine Bindung, die oft sogar über die
eigentliche Schulzeit
hinausgeht und nicht von einzelnen (Lehr-)Personen abhängig ist.
Bisweilen bekommt die Phoenix in
ihren Sitzungen Besuch von Ex-Redakteuren, deren Schulzeit teilweise
schon Jahrzehnte zurückliegt,
über Internet fordern Ehemalige die jeweils neueste Ausgabe an und
werden langsam zu einer
zusätzlichen Stammleserschaft. Bei einer von einem einzelnen Lehrer
geleiteten AG wäre ein so hohes
Maß an Identifikation und Bindung eher ungewöhnlich.
Dagegen kann der Lehrer-Betreuer durchaus selbst kreativ mitwirken,
um gerade jüngeren Schülern
auch Beispiele für die verschiedenen Textformen oder Arbeitsmethoden zu
geben oder um neue
Sichtweisen und Perspektiven zu eröffnen. Je nach Situation muss er bei
personellen Lücken manchmal
auch technische Hilfestellung leisten oder bei Streitigkeiten zwischen
den in der Phoenix vertretenen
Schülergenerationen vermitteln. Im Wechsel der Redaktionsmannschaften
vermittelt er Kontinuität (da
er in der Praxis selten abgewählt wird). Das Ideal bleibt aber immer
eine möglichst selbsttätig
agierende Schülerzeitung.
Mediale Herausforderungen und aktuelle
Lösungsversuche
Eine der großen Herausforderungen der neueren Zeit ist die
Fragmentierung der Lebenswelten. Sie ist
gesamtgesellschaftlich spürbar, aber auch für die Schulgemeinschaft am
KGT zu einem Faktor
geworden – denn am KGT gibt es viele verschiedene Interessensgruppen,
die oft allerdings nicht viel
voneinander wissen und an einem gegenseitigen Austausch teilweise auch
nicht wirklich interessiert
sind. Dies erschwert einerseits die Arbeit einer Schülerzeitung – es ist
schwierig geworden, noch
Themen zu finden, die alle gleichermaßen ansprechen – andererseits ist
es heute gerade eine der
Aufgaben von Schulpresse, Gemeinschaft durch Kommunikation zu
ermöglichen.
Mit einem Medium alleine ist dies auch auf Schülerseite nicht mehr zu
bewerkstelligen, weshalb die Phoenix inzwischen „multi-medial“ im
eigentlichen Sinne geworden ist und drei Standbeine entwickelt hat:
Die gedruckte Phoenixausgabe: Die große Druckausgabe ist
und bleibt der Stolz der
Schülerredakteure, zumindest für sie ist es immer ein
Schuljahreshighlight, wenn der Druck
erfolgreich abgeschlossen ist und sie verkauft werden kann. Aufgrund
der komplexen
Produktion erscheinen pro Schuljahr allerdings selten mehr als zwei
Ausgaben. Die Vorarbeiten
dauern lange, für aktuelle und kontinuierliche Berichterstattung
taugt sie daher weniger, es
handelt sich eher um eine Art Liebhabermagazin mit Sammelcharakter.
Die Online-Schülerzeitung: Ursprünglich dazu gedacht,
aktueller zu publizieren, hat sich die
Online-Abteilung der Phoenix (http://www.kgt-schuelerzeitung.de)
inzwischen zu einer
vielbesuchten und recht umfangreichen Plattform entwickelt. Neben
einer Vielzahl von
Artikeln finden sich dort Fotogalerien mit einem Bestand von
inzwischen über 5000 Bildern, die
einen Einblick in Schulaktionen der letzten fünf Jahre gewähren.
Daneben gibt es auch ein
Diskussionsforum, was allerdings hauptsächlich redaktionsintern
genutzt wird sowie
verschiedene andere Interaktionsmöglichkeiten, die Lesern zur
Verfügung stehen, wenn sie
dort eine kostenlose Registrierung durchführen. Die Registrierung
steht allen Lesern offen, also
auch Lehrern und Eltern. Genutzt wird sie zur Zeit allerdings
hauptsächlich von Schülern und
Ehemaligen.
Wandzeitungen und Plakate: Da es immer noch viele Schüler
und Lehrkräfte gibt, welche die
Internetmöglichkeiten am KGT nicht nutzen – also weder offizielle
Schulwebseite noch Online-
Schülerzeitung, veröffentlicht die Phoenix im Rahmen ihrer Arbeit
als „Presse-AG“ auch
zunehmend in Form von Wandzeitungen und Fotoplakaten – dort werden
dann aktuelle KGTEreignisse
präsentiert (z. B. Sportereignisse, Theateraufführungen, Schulbälle).
Da sowohl die Phoenix-Redakteure als auch ihr Betreuer recht
experimentierfreudig sind, versuchen sie
sich darüber hinaus stets an neuen Möglichkeiten aktueller oder
kreativer Berichterstattung, in der
Vergangenheit gab es bereits Versuche mit Video- und Podcasts,
Zeichentrick- oder Realfilm, im
Druckbereich mit der ab März erstmalig erscheinenden „Phoenix Gazetta“,
einer Kurzausgabe in
kleiner Auflage. Mit ihrer Pressearbeit unterstützt die Phoenix
weiterhin auch die Arbeit des Webteams und die offizielle KGT-Webseite,
ebenso das jährlich erscheinende KGT-Jahrbuch.